Die Gebärdensprache

By | Samstag, 14. September 2013 Leave a Comment
In Deutschland können 80.000 Menschen nicht hören. 13,3 Millionen Deutsche über 14 Jahre gelten als beeinträchtigt beim Hören. (Quelle: Deutscher Gehörlosen-Bund) 

So viele Menschen, und doch kennt sich keiner aus. Als ich letztens mit einem neuem Bekannten gechattet habe, habe ich so nebenbei mal gefragt,ob er wüsste, was Gebärdensprache ist. Er verneinte. Nicht mal Ansatzweise. Okay. Für ihn und einige andere hier mal eine Erklärung:

Gebärdensprache ist (meistens*)die Muttersprache der Gehörlosen.
In Deutschland ist das die DGS, die Deutsche Gebärdensprache. So wie die Blinden die Brailleschrift , (ja, die mit den Punkten!) benutzen Gehörlose die Gebärdensprache. Diese ist eine anerkannte Minderheitssprache. Doch, wie viele fälschlicherweise denken, besteht diese nicht nur aus Reden mit den Händen. Gebärdensprache ist viel komplexer:

Mundbild, den lautlos gesprochenen Wörtern oder Silben
Sie besteht aus den Gebärden(Handzeichen), der Körperhaltung (es macht schon einen Unterschied , ob man eine Bewegung vor dem Bauch oder höher macht)der Mimik und dem Mundbild(den lautlos gesprochenen Wörtern und Silben)
Warum die Mimik des Gesichtes zur Gebärdensprache zählt?
Wenn Gehörlose gebärden , muss man nicht jedes Wort verstehen, um zu verstehen. Gehörlose haben eine Mimik die an ein Pantomime-Spiel erinnert. Wenn "Ich lese ein Buch" gebärdet wird, sieht man schon am Gesicht ob es ein gutes Buch ist ( dann sieht man einen begeisterten Gesichtsausdruck)oder ein langweiliges(wo der Gebärdende zB ein Gähnen antäuscht).

Viele Gebärden werden schneller oder abgehackter, wenn die Gebärdenden diskutieren, und man sieht ihnen nahezu an, wie wütend die Gebärden sind- auch hier angereichert mit Mimik.
Wichtig zu wissen ist, dass die Gebärdensprache in jedem Land anders ist. In den USA wird zB die American Sign Language(ASL)  genutzt, in Österreich die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS.)
Die Gebärdensprache hat eine eigene Grammatik, Gehörlose gebärden nicht "ich gebe dir ein buch" sondern reihen die wörter "ich geben buch dir".
Und nicht nur das- genau wie eine gesprochene Sprache, hat die Gebärdensprache in jedem Land auch mehrere Dialekte- in Deutschland haben zum Beispiel Berliner, Kölner und Dortmunder völlig verschiedene Gebärden für dasselbe Wort. Bei der ÖSL oder ASL ist dies ebenso.

Gehörlose können auf der ganzen Welt leichter miteinander kommunizieren, denn die Gebärdensprachen sind sich untereinander häufig ähnlicher als die verschiedenen Lautsprachen.



*
Es gibt auch Gehörlose, die mit Lautsprache aufwachsen, und diese als ihre Muttersprache betrachten, zB Julia Probst(gehörlose Politikerin der Piratenpartei)



Ich hab mich bemüht es einfach zu erklären, allerdings ist mir das Thema vertraut, sodass Laien vielleicht etwas unklar ist. Einfach Kommentieren!
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