Gebärdensprache- Mehr als Gefuchtel mit den Händen- Eine Alltagsgeschichte.

By | Samstag, 21. September 2013 Leave a Comment
Ich sitze in der Dortmunder Ubahn und unterhalte mich mit meinen Freunden. Auf einmal wird aus dem Smalltalk ein hitziges Gespräch und wir werden lauter. Und doch dringt kein Laut bis zu unseren Mitfahrern. Nein, sie sind nicht gehörlos, wir reden auf DGS: Der Deutschen Gebärdensprache.

Wir reden nicht lauter mit der Stimme, sondern mit den Gebärden- sie werden energischer, unsere Mimik wird noch deutlicher und wir stecken noch viel mehr Energie in jede Bewegung. Wir fallen schon beim Smalltalk auf, doch spätestens jetzt sind wir dem letzten Mitfahrer aufgefallen.
Während wir uns in unsere hitzige Diskussion hineinsteigern, schielen alle Leute interessiert und ein wenig unsicher zu uns hinüber. Ja, wir gebärden. Und ja, es ist auffällig zwischen all den ruhig sitzenden Passagieren- aber wir sind doch keine Zirkusattaktion! Wir sitzen Tag für Tag auf dem Weg zur Schule in dieser Ubahn und Tag für Tag auf dem Weg zurück. Und jedesmal dieselben Tyoen von Menschen. Die Jungsclique, die sich über uns lustig macht, und wahrscheinlich auch ein wenig angepisst ist, dass wir direkt gegenüber ihnen sitzen und uns ganz entspannt unterhalten können, ohne belauscht werden zu können. Ein zeitungslesender Mann, der über den Zeitungsrand neugierig zu uns rüberschielt. Die schein-desinteressierte Frau, die tut als ob es sie garnicht interessiert, aber doch irgendwie dauernd mal rüberguckt. Und das niedliche kleine Kind, das mit großen Augen vor uns steht und faziniert ist. "Was machen die da?" fragt es. "Ach nichts, komm schon" weicht die Mutter aus, es ist ihr peinlich. Warum?Warum ist es ihr peinlich ihrem Kind die Wahrheit zu sagen? Fehlen ihr die richtigen Worte? Findet sie Schwer- oder Gehörlosigkeit als so bemitleidenswert dass es ihr unangenehm ist ihr zu begegnen? Ich weiß es bis heute nicht. "Das ist die Gebärdensprache. Wir reden mit den Händen. So reden alle die schlecht oder garnicht hören" sage ich zu dem Jungen. "So wie meine Oma?" fragt er wie selbstverständlich- ach wie herrlich diese unkomplizierte Kinderwelt ist " Ja, wie deine Oma.. nur ein bisschen anders" bestätige ich ihm und das Thema ist für ihn erledigt. Der Mutter ist es sichtlich peinlich, zumal alle Aufmerksamkeit auf uns gerichtet ist. Aber ich bin zufrieden. Vielleicht haben wenigstens ein paar der schein-desinteressierten etwas aus der Begegnung gelernt, und starren uns das nächste mal nicht so an.
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