Ein Teil von mir. |Gehörlose und Co

By | Samstag, 30. November 2013 1 comment
Wenn ich schon eine Rubrik über Gehörlosigkeit und Co habe, kann ich auch einmal etwas über mich und meinen Hörschaden schreiben. Der folgende Text ist ziemlich persönlich denn er erklärt einen Teil von mir, denn ich nicht ganz akzeptieren kann. Wer Selbstmitleid nicht mag,sollte ihn lieber nicht lesen.

Ich will einfach nicht anders sein. Individuell sein ist cool, aber nicht in Form eines Hörschadens.

Wenn ich darüber schreibe oder spreche wird mir dies immer wieder bewusst. Ich werde niemals aufwachen, weil mein Kind schreit oder mein Hund winselt. Ich werde niemals von einem Feueralarm oder einem gewöhnlichem Wecker wach werden. Ich konnte nie bei Stille Post mitspielen und werde auch weiterhin nie irgendwas zärtliches von meinem Freund ins Ohr geflüstert bekommen oder leise mit meiner Freundin lästern können. Entweder laut, auf DGS oder garnicht. Im dunklen werde ich mich immer unwohl fühlen, denn ich bekomme einfach nicht mehr alles mit, sonst gleichen meine Augen vieles aus.

Ich werde mich nie an der Hintergrundmusik bei Fernsehserien erfreuen, denn dadurch versteh ich die Sprache nichtmehr. Ich werde nie beim Autofahren vom Radiomoderator unterhalten werden und Veranstaltungen wie zB Comedy,Theater sind quasi unmöglich und  Fernsehen oder Kino werde ich ohne Untertitelung nie zu 100% verstehen. Beim schwimmen wird mir niemand je etwas zurufen können und wenn ich schlafen gehe werde ich weder die Klingel noch das Telefon je hören.

Man lernt fast alles auszugleichen aber es ist anstrengend und damit verbunden Abstriche zu machen oder andere Leute um Hilfe zu bitten. Und das gefällt mir nicht. Ich bin ein Mensch der gut auf sich selbst aufpassen kann, darum gefällt es mir nicht, dass ich im Schlaf wirklich außer Gefecht gesetzt bin und nichts mitbekomme.
 Ich will nicht, dass man auf mich Rücksicht nehmen muss und ich schon in den einfachsten Situationen nichts verstehe. Ich mag es nicht wenn schon durch Kleinigkeiten wie zB die Rückkopplung wenn ich lache, auffällt dass ich anders bin. Das zieht manchmal echt mein Selbstbewusstsein herunter, weshalb ich mich mittlerweile nicht selten hinter meinem Panzer verstecke und einfach nicke und lächle.  Ich ringe immer wieder mit mir, nicht einfach den Kontakt zu meinen wenigen hörenden Freunden abzubrechen und die Arbeit bei der Zeitung hinzuschmeißen.  Dass ich mich mit Hörenden so gut verstehe liegt nicht an ihrem (zu 99% NICHT) rücksichtsvollem Verhalten sondern an jahrelanger Aneignung von Tricks meinerseits, wie ich mehr verstehe.Es bedeutet volle Konzentration wenn ich versuche Diskussionen zu folgen. Die Leute denken, man steckt sein Hörgerät ein und hat keine Probleme, alles ist easy peasy wie mit einer Brille aber dass stimmt nicht. Egal wie oft ich den Menschen sage sie mögen bitte lauter reden, langsamer oder mich dabei angucken- nach spätestens 2 Minuten fallen alle wieder in ihr gewöhnliches Sprech- und Verhaltensmuster zurück. Egal wieviele Einblicke ich ihnen durch offene Gespräche gebe, sie werden keines meiner Probleme auch nur ansatzweise nachvollziehen können
Ich brauche Rücksicht, will sie aber nicht, und solange ich mir damit im Weg stehe, ist es unsinnig mir diesen Stress anzutun.
Im Moment fühle ich mich einfach nur verloren. Verloren in einer Welt voller Menschen, die gar nicht wertschätzen, dass ein Fehlalarm sie mitten in der Nacht weckt. Ich würde mich darüber freuen.
Ja, ich weiß dass ich nicht vor meinem Hörschaden davonlaufen kan und auch später auf der Arbeit immer mit ahnungslosen Hörenden konfrontiert bin,aber solange es geht, möchte ich in meiner wunderschönen Seifenblase bleiben.
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1 Kommentar :

  1. Liebe Denise,

    ich kann deinen Selbstmitleid-Anfall schon verstehen und jede einzelne Situation nachvollziehen.

    Manchmal leide ich selbst auch darunter, aber dann versuche ich mich an die "Orangen-Theorie" zu erinnern, die ich in einer Fernsehserie für Jugendliche kennengelernt habe:

    Wie Du weißt, lässt sich die Orange nach dem Pulen in einzelne Stücke teilen. Stell' Dir nun vor, dass eines dieser Stücke ein Teil von Dir selbst darstellt. Zum Beispiel deine Hörbehinderung oder deine Brille. Vielleicht auch deine Vorliebe für das Bloggen. Fehlt nun ein Teil dieser Orange, dann wird sie nie wieder ganz sein. Und würde nun ein Stück von Dir fehlen, meinetwegen deine Hörbehinderung, dann würdest du auch nie ganz sein.

    Hör' mit deinem Selbstmitleid auf und stehe zu deiner Behinderung. Du kannst nichts dafür und versuche das beste daraus zu machen.

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