Rezi: Das wirst du bereuen [Amanda Maciel]

By | Samstag, 3. Januar 2015 Leave a Comment
 Wer schon Bücher z um Thema Mobbing gelesen hat, wird schon festgestellt haben, dass diese meistens ähnlich sind: Aus Sicht der Gemobbten(meist ein Teenie-Mädchen), dass sowieso schon irgendwelche Probleme von zuhause aus hat (Vater Alkoholiker/Brutal/vor vielen Jahren abgehauen/schwer krank/...) wird die Geschichte erzählt. Das Opfer ist hilflos, weiß keinen Ausweg, will sich umbringen, vertraut sich am Ende jedoch jemandem an und BÄÄM ist das Problem gelöst. Geschichte zu Ende.

Ich hoffe, ich muss nicht erwähnen, dass die Wirklichkeit eher selten so abläuft? Wie geht man danach miteinander um? Mit den Mitmenschen, die einem nie geholfen haben? Das allein wäre schon ein Buch wert.
Ich war also sehr gespannt auf Amanda Maciels, „Das wirst du bereuen.“ Das Werk machte mich mit einer ungewöhnlichen Perspektive auf sich aufmerksam: Man sieht den Hergang der Geschichte aus den Augen einer der Mobberinnen; Sara. Sara erzählt jeweils ein Kapitel von der Zeit in der sie Emma gemobbt und attackiert hat und anschließend ein Kapitel von den Geschehnissen nachdem Emma sich umgebracht hat und es zu einem Gerichtsprozess kommen soll. Sprich: Während der Leser hautnah ihre Gedanken mitliest a la "Emma ist es selber Schuld" kann man in den Kapiteln die danach spielen die Entwicklung von Sara nach dem Suizid verfolgen. Mit den Kapiteln nach der Tat, die zum Gerichtsprozess führen, erfährt man einmal, was NACH dem Ende des Mobbings passiert- Erscheinen Reue und Schuldbewusstsein? Oder ändert sich der Mobber nicht? Da sind Wut (Emma bringt sich um und wir müssen deshalb leiden), Trauer (Ich will mein altes unbeschwertes Leben zurück) als auch Unverständnis (Wieso hat die dumme Kuh das gemacht?) wechseln sich in ihr ab. Sie will nicht einsehen, dass ihre beste Freundin Brielle und sie Schuld am Selbstmord des Mädchens sind.

"Alle Welt denkt, dass Emma Putnam sich umgebracht hat, weil wir sie Schlampe genannt haben – und nicht weil sie eine Schlampe war. Echt klasse."

 Brielle ist auch ein interessanter Aspekt des Buches: Ist sie eigentlich die beste Freundin von Sara, steht diese aber total unter der Fuchtel ihrer verwöhnten Freundin Brielle und traut sich nicht, gegen diese das Wort zu erheben. Geht es eigentlich um Emma, die Sara den Freund ausgespannt hat, hetzt Brielle die ganze Schule auf Emma und macht ihr das Leben mit Sara zusammen schwer. Sara hat Angst die Freundschaft zu ihr zu verlieren und sich unbeliebt in ihrer Clique zu machen und macht mit- erst später, Wochen nach dem Tod von Emma beginnt sie ihr eigenes Verhalten kritisch zu überdenken und versteht, was sie wirklich getan hat: Ein Mädchen in abgrundtiefe Verzweiflung gestürzt zu haben statt ihr einen angemessenen Denkzettel für das miese Verhalten(an das ihr Freund definitiv beteiligt war) zu verpassen. Doch dieser Prozess des Verstehens geschieht langsam, denn das Ergebnis zu dem sie gelangt, will sie nicht wahrhaben.




Das Buch hat mir eigentlich sehr gut gefallen, wenngleich ich einige Dinge immer noch nicht verstehen kann, aber ich war noch nie in der Situation von Sara oder Brielle. Ich habe keine Ahnung, ob ein Mobber so denkt, wie sie es tun. Das Buch hat mich nicht so umgehauen, es war klar das Sara am Ende ihr Verhalten hinterfragt. Ich fand es gut, das die Kapitel abwechselnd im Hier und Jetzt mit der Anwältin und in der Vergangenheit mit Emma stattfinden, so hatte man direkte Vergleichsmöglichkeiten, wie Sara sich langsam verändert.
 Das Buch ist gut gelungen, ich würde es auch nocheinmal lesen.
Insgesamt bekommt es 3,5 Sterne von mir- bemängelt wird von mir, dass m.M.n. Emma zu unrealistisch dargestellt wird- ich habe das Gefühl sie macht nichts anderes als heulen, stumm Attacken zu ertragen, oder mit einem Typen zu flirten- aber das liegt vermutlich an der eingeschränkten Wahrnehmung von Sara. Außerdem war es an einigen Stellen dann doch zu
Klischeehaft.

" Das wirst du bereuen" wurde mir als Rezensionsexemplar von BloggdeinBuch und Bastei Lübbe zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

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