Filmkritik: The Revenant- Der Rückkehrer

By | Mittwoch, 20. Januar 2016 Leave a Comment
Der  Film "The Revenant" der unter der Regie von Alejandro González Iñárritu gedreht wurde, ist genremäßig ein US-amerikanischer historischer Western-Thriller, der derzeit in den deutschen Kinos läuft.

Inhalt

In "The Revenant" wird die Geschichte von Hugh Glass(Leonardo di Caprio)gezeigt, der von seinen Kameraden in der Wildnis im Stich gelassen wird, nachdem Bären ihn attackierten und schwer verletzten. Fast tot und der Kälte schutzlos ausgeliefert, kämpft Hugh sich wieder ins Leben zurück und schwört Rache für den Verrat und den Mord an seinen Sohn.

Die Darsteller und ihre Leistung beim Dreh

Die Hauptrolle des Filmes, Hugh Glass, wird von Leonardo di Caprio verkörpert. Interessant und positiv anzumerken ist, dass nicht vor einer grünen Leinwand gedreht wurde. Wenn eine Szene im Schnee gespielt hat, waren die Schauspieler tatsächlich im Schnee. 
Leonardo di Caprio hat sich komplett seiner Rolle hingegeben und tatsächlich gegessen, was er auf der Leinwand isst (z.B. rohen Fisch oder Leber) oder auch tatsächlich seine Kleidung mitten im Schnee abgelegt, wenn dies im Film zu sehen war. Einzig und allein seine Kampfszene mit den Bären zu Beginn und die daraus resultierenden Verletzungen sind nicht echt. 
In einem Interview erzählt der Schauspieler, dass die Technik wegen der Kälte einige Male versagt hat- da kann man sich vorstellen wie unfassbar kalt es ihm und den anderen Darstellern gewesen sein muss. 
Und genau dies findet man in der Rolle wieder. Die Kälte die er empfindet ist nicht gespielt. Er hat sie selbst erlebt, er WAR Hugh Glass. Er sagt dazu im Interview mit Focus "Persönlich stieß ich unzählige Male an mein körperliches und seelisches Limit. Aber das war es wert."(*hier der Link zum Interview*)

Doch nicht nur die Kälte machte den Dreh zu einer Herausforderung: Es wurde ausschließlich mit natürlichem Licht gearbeitet, was den Dreh jeder Szene auf bestimmte Uhrzeiten einschränkte. Auch das Wetter hatte einen großen Einfluss auf den Dreh, sodass die Crew schließlich wegen der einsetzenden Schneeschmelze von Kanada und den USA für die finalen Szenen nach Argentinien ausweichen. 

KRITIKEN und REAKTIONEN


Der Film hat insgesamt sehr gute Kritiken erhalten: 

Bei Filmstarts.de 4,1 von 5, bei Moviepilot 8.1/10, bei Cinema 5/5 und bei Computerbild 90%.
Bei der Verleihung der Golden Globe Awards am 10. Januar 2016 in Beverly Hills gewann der Film drei Auszeichnungen: di Caprio wurde als bester Hauptdarsteller geehrt, der Film für die" beste Filmmusik" und für "Bester Film-Drama".
Für die Oscarverleihungen am 28. Februar ist der Film in 12 verschiedenen Kategorien nominiert. Doch es gibt auch einige negative Stimmen:

"Der Testosteronüberschuss, der hier im Kampf der wilden Kerle generiert wird, ist ebenso gewaltig, wie die epische Überlebensgeschichte in ihrer Grundaussage überschaubar bleibt." -Zeit online

"Am Ende hinterlässt 'The Revenant' den zwiespältigen Eindruck eines technisch brillanten Films, der seine dünne Geschichte unter wenig überzeugenden Bezügen zur Tragik der Geschichte des Wilden Westens zu verbergen sucht."-Michael Meyns von programmkino.de

"Alejandro G. Iñárritu überwältigt auf technischer Ebene, weniger mit dramaturgischem Herzblut."-Christian Witte von cereality.net

Mein Senf


Meine Meinung fällt vorwegs gesagt jedoch nicht so positiv aus wie die der meisten Kritikerseiten. 
Ich möchte von vornherein klar stellen, dass ich vor Leonardo di Caprio und seine Kollegen für diese Leistung großen Respekt habe. In Eiseskälte will ich nicht einmal am Bahnhof 5 Minuten stehen, halbnackt im Schneegestöber ist da eine ganz andere Hausnummer. Doch die damit verbundene schauspielerische Leistung kann man auf zweierlei Weisen betrachten:


Schauspielerische Leistung

Das Schauspielern des Überlebenskampfes etc. könnte auf der einen Seite leichter gewesen sein, da die Kälte nicht gespielt, sondern wirklich empfunden wurde. Vermutlich ist es schauspielerisch gesehen jedoch sicherlich eine größere Herausforderung, dies überzeugend vor dem Green Screen zu spielen, es zeugt aber auch von großer Selbstdisziplin, in dieser Kälte so gut zu spielen. Insgesamt ist auf jeden Fall Respekt für den harten Dreh angebracht, man sollte aber nicht vergessen dass das Akzeptieren des Jobangebotes freiwillig war und alle wussten, worauf sie sich einlassen.

InhaltMein Problem mit dem Film ist jedoch nicht die schauspielerische Leistung, sondern der Inhalt des Filmes. In den insgesamt 156 Minuten, wurden großzügig gerundet vielleicht 16 Minuten dem Dialog gewidmet, 80 den verschiedenen Kampfszenen und die restlichen 60 Minuten für den Überlebenskampf von Hugh Glass. Der Überlebenskampf sah folgendermaßen aus: Entweder ist Hugh Glass verletzt irgendwo langgekrochen / gehumpelt, er hat gejagt, ein Tier ausgenommen oder es gegessen. 

Es war einfach insgesamt viel zu lang und man fragte sich, wann den endlich Spannung aufkommen würde. Tiefe Dialoge hätten es vielleicht herausgerissen aber die wenigen Dialoge waren sehr oberflächlich. Entweder suchten die Indianer nach einer Stammesbewohnerin oder Hugh Glass' Männer sprachen miteinander. 


Um ehrlich zu sein, verstand man den gesamten Film ohne einen einzigen gesprochenen Satz verstehen zu müssen. Der perfekte Film für Gehörlose würde ich mal sagen. Nach dem Film musste ich mir außerdem die Frage stellen, was eigentlich die Priorität war: 

Darzustellen, wie eindrucksvoll Glass sich ins Leben zurückkämpft? Oder doch eher viel Blut und Gewalt darzustellen? Wie eben schon erwähnt, gab es im Film sehr sehr viele Kämpfe- dabei starben sowohl Menschen als auch viele Pferde. Gezeigt wurde das Durchbohren des Kopfes mit einem Pfeil im Detail,ähnlich wie bei Final Destination. Der Film hatte-bis auf die letzte Szene mit dem letzten Satz- keinerlei Tiefe. 

Gesamteindruck

Es bleibt  trotz des gut gemachten Endes der negative Gesamteindruck, dass es im Film letztendlich nur um inhaltsloses Gemetzel geht.
Insgesamt bin ich deshalb sehr enttäuscht. Der Film hat etwas, vor allem die Art des Drehs, aber unterhalten und mitgerissen gefühlt haben weder ich mich noch meine Begleitung. Die hohen Bewertungen der bekannten Portale sind mir unverständlich und ich kann mich nur dem Fazit von Zeit online und einigen anderen anschließen:


Von einem derartig häufig für Preise nominiertem Film habe ich deshalb mehr erwartet. Schade!


The Revenant - Der Rückkehrer
historischer Western-Thriller
von Alejandro G. Iñárritu, mit u.a. Leonardo di Caprio und Tom Hardy
Adaption des Buches "The Revenant: A Novel of Revenge" von Michael Punke

156 Minuten,
FSK 16
Erstausstrahlung USA: 25.Dezember 2015
Deutschland: 06. Januar 2016




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